26
Nov
09

demo 2611 Reutlingen

Wir tragen die Bildung zu Grabe – Demonstration der PH Ludwigsburg/Außenstelle Reutlingen
Sehr geehrte Damen und Herren,

Heute fand im Rahmen des Bildungsstreiks in Reutlingen eine Demonstration statt. Diese wurde von der Initiative Bildungsstreik Reutlingen – den Studierenden der besetzten Pädagogischen Hochschule – initiiert und stand unter dem Motto: „Wir tragen die Bildung zu Grabe“. Mit dem Trauerzug, der die Demonstration anführte, sollte jedoch nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass die Studierenden mit dem Kapitel „Bildung“ abgeschlossen hätten. Ganz im Gegenteil: Betrauert wurde die aktuelle Situation des Bildungssystems und gefordert haben die Demonstrierenden seine grundlegende Reform.

Um 11 Uhr sammelte sich der Demonstrationszug vor dem Hauptgebäude der Pädagogischen Hochschule und zog zunächst – bewaffnet mit Trillerpfeifen, Trommeln und Transparenten – über den Campus der benachbarten Fachhochschule, um die dort Studierenden aus den Seminaren zu holen. Zumindest an der Pädagogischen Hochschule wurde die Parole „Scheiß aufs Seminar – Bildungsstreik ist da!“ sehr ernst genommen: Sämtliche Seminare mussten wegen TeilnehmerInnenmangel ausfallen, da sich der Großteil der 600 PH-Studierenden unter den Demonstrierenden befand.
Anschließend bewegte sich der Zug, der nach und nach auf ca. 500 TeilnehmerInnen anwuchs, Richtung Innenstadt. Zahlreiche PassantInnen, an denen die Demonstration vorbeizog, bekundeten ihre Solidarität durch Hupen und Zuwinken. Am Johannes Keppler Gymnasium, wo sich viele SchülerInnen anschlossen stoppte der Zug für kurze Zeit. Nach einer Trauerminute, die sitzend auf der Kreuzung Alteburgstaße-Lederstraße abgehalten wurde, zogen die Studierenden durch das Tübinger Tor. Nach kurzem, stillem Marsch mit Trauerblasmusik erreichte die Menge in ausgeladen Stimmung und mit Parolen, wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“, gegen 12 Uhr 30 den Marktplatz.
Bei der dort stattfindenden Kundgebung kamen sowohl Studierende der Pädagogischen Hochschule als auch Vertreter der GEW zu Wort. Während die Vertreter der Gewerkschaft vor allem Missstände in der LehrerInnenausbildung und schlechte Einstellungschancen thematisierten, wiesen die Studierenden auf Mängel im Hochschul- und Schulwesen hin und stellten einige der zuvor in Arbeitskreisen erarbeiteten Forderungen vor. Dazu gehören unter anderem die Forderung nach einer inklusiven Schule für alle und mehr Selbst- und Mitbestimmungsrecht der Studierenden an den Hochschulen.
Gegen 13 Uhr wurde die Demonstration offiziell aufgelöst. Die Proteste, die Besetzung des Hörsaals sowie die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bildungssystem wollen die Studierenden jedoch so lange fortsetzen, bis sich die bildungspolitische Lage maßgeblich verändert hat.



Video SWR


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